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Mahavishnu Orchestra: Meeting of the Spirits

John Lee Hooker: The Healer

Daruma: Über den zweifachen Zugang zum Weg

Über den zweifachen Zugang zum Weg

Daruma (Bodhidharma), der erste Vorfahr des Zen-Buddhismus in China

Es gibt viele Arten, den Pfad zu betreten, doch zusammengefasst gibt es nur zwei. Die eine ist ‘Zugang durch Erkenntnis’ und der andere ‘Zugang durch Praxis’. Mit ‘Zugang durch Erkenntnis’ meinen wir die Verwirklichung des Geistes des Buddhismus mit Hilfe der Belehrung durch die Schriften. Dadurch kommen wir zu einem tiefen Glauben an die Wahre Natur, die in allen empfindungsfähigen Wesen gleich ist. Der Grund, warum sich dies nicht offen zeigt, ist die Überdeckung durch äußere Objekte und falsche Gedanken. Wenn jemand, das Falsche aufgebend und das Wahre ergreifend, mit ungeteiltem Denken Pi-Kuan praktiziert, wird er finden, daß es weder ein ‘Selbst’ noch ein ‘Anderes’ gibt, dass Gewöhnliche und Würdige die selbe Essenz teilen, und er wird an diesem Glauben festhalten und sich niemals davon lossagen. Dann ist er kein Sklave von Worten, denn er ist in unausgesprochener Übereinstimmung mit der Erkenntnis selbst, frei von begrifflicher Unterscheidung; er ist voll heiterer Gelassenheit und frei von zwanghaftem Handeln. Dies wird ‘Zugang durch Erkenntnis’ genannt.

Mit dem ‘Zugang durch Praxis’ sind die vier Handlungen gemeint, die alle anderen Handlungen einschließen. Welches sind diese Vier? Erstens, zu wissen, wie man Hass vergilt. Zweitens, dem Karma gehorchen. Drittens, nichts begehren und viertens, in Einklang mit dem Dharma sein.

Was ist gemeint mit ‘zu wissen, wie man Hass vergilt’? Wer sich dem Pfad unterwirft, sollte, wenn er mit widrigen Umständen zu kämpfen hat, so denken: ‘Während zahlloser vergangener Zeitalter bin ich durch eine Vielzahl von Existenzen gewandert, habe mich auf Kosten des Wesentlichen unwichtigen Einzelheiten des Lebens gewidmet und so unendliche Anlässe für Hass, Böswilligkeit und Verbrechen gegeben. Auch wenn in diesem Leben keine Übertretungen begangen wurden, müssen doch nun die Früchte böser Taten in der Vergangenheit geerntet werden. Weder Götter noch Menschen können vorhersagen, was über mich hereinbrechen wird. Ich werde mich willig und geduldig allen Übeln, die mir begegnen, unterwerfen und niemals jammern oder klagen. Die Sutren lehren mich, mich nicht um Übel zu bekümmern, die mir begegnen mögen. Warum? Weil, wenn die Dinge von einer höheren Warte aus be- trachtet werden, die Quelle des Verursachens erreicht ist. Wenn dieser Gedanke im Menschen erweckt wird, wird er im Einklang mit der Vernunft sein, da er vom Hass den besten Gebrauch macht und ihn in den Dienst seines Fortschreitens auf dem Pfad stellt. Das nennt man ‘den Hass vergelten’.

Mit ‘dem Karma gehorchen’ ist folgendes gemeint: es gibt kein Selbst in den Wesen, wer sie auch sein mögen, die von dem Zusammenspiel karmischer Bedingungen geschaffen werden; die Lust und der Schmerz, den ich erleide, sind das Resultat meiner vorherigen Handlungen. Werde ich mit Reichtum, Ehre usw. belohnt, ist dies das Ergebnis meiner vergangenen Taten, die durch kausale Verursachung auf mein derzeitigen Leben einwirken. Ist die Kraft des Karma erschöpft, wird das Ergebnis, das ich nun genieße, verschwinden; warum also sollte ich mich darüber freuen. Gewinn oder Verlust, lass mich mein Karma annehmen, gleich ob es mir das Eine oder das Andere bringt; der Geist selbst kennt weder Zuwachs noch Verringerung. Der Wind der Lust [und des Schmerzes] wird mich nicht aufrühren, denn ich bin in stillem Einklang mit dem Pfad. Daher wird dies ‘dem Karma gehorchen’ genannt.

Mit ‘nichts begehren (ch’iu)’ ist dies gemeint: weltliche Menschen sind in ewiger Verwirrung überall an das eine oder andere Ding gebunden, was man begehren nennt. Weise jedoch verstehen die Wahrheit und sind nicht wie die Unwissenden. Ihr Geist ruht in heiterer Gelassenheit im Ungeschaffenen während ihre Körper im Einklang mit der Gesetzen der Kausalität einhergehen. Alle Dinge sind leer und es gibt nichts Wünschenswertes, nach dem man suchen müsste. Wo es den Vorzug von Helligkeit gibt, lauert sicher auch der Mangel von Dunkelheit. Diese dreifache Welt, in der wir alle schon zu lange sind, ist wie ein brennendes Haus; alles, was einen Körper hat, leidet und niemand weiß wirklich, was Friede ist. Weil die Weisen gründlich mit dieser Wahrheit vertraut sind, sind sie nie an veränderliche Dinge gebunden; ihre Gedanken sind zur Ruhe gekommen, nie begehren sie etwas. Die Sutren sagen: ‘Wo immer Begehren ist, ist Schmerz, nimm Abstand vom Begehren und du bist gesegnet’. So wissen wir, dass nichts begehren in der Tat der Weg zur Wahrheit ist. Daher wird ‘nichts begehren’ gelehrt.

Mit ‘in Einklang mit dem Dharma sein’ ist gemeint, dass die Erkenntnis, die wir den Dharma nennen, in ihrer Essenz rein ist und dass diese Erkenntnis das Prinzip der Leere (sunyata) in allen Erscheinungen ist. Sie steht über Befleckungen und Bindungen und es gibt kein ‘Selbst’, kein ‘Anderes’ in ihr. Die Sutren sagen: ‘Im Dharma gibt es keine empfindungsfähigen Wesen, weil er frei ist von der Befleckung des Seins; im Dharma gibt es kein ‘Selbst’, weil es frei ist von der Befleckung der Individualität’. Wenn Weise diese Wahrheit verstehen und sie glauben, wird ihr Leben ‘in Einklang mit dem Dharma sein’.

Da es in der Essenz des Dharma keinen Wunsch nach Besitz gibt, sind Weise immer bereit, mit ihrem Körper, ihrem Leben und ihrem Besitz Wohltätigkeit zu üben und sie sind frei von Neid, sie wissen nicht, was Missgunst heißt. Da sie ein vollkommenes Verständnis der dreifachen Natur der Leere haben, stehen sie über Vorlieben und Bindungen. Nur wegen ihrer Absicht, alle Wesen von ihren Befleckungen zu reinigen, erscheinen sie unter ihnen als zu ihnen gehörig, doch sind sie nicht an Form gebunden. Dies ist die eigennützige Phase ihres Daseins. Jedoch wissen sie auch, wie sie anderen nützen und wie sie die Wahrheit des Erwachens verherrlichen können. Was für für die Tugend der Wohltätigkeit gilt, gilt auch für die anderen fünf Tugenden. Die Weisen üben die sechs Tugenden der Perfektion aus, um sich verwirrter Gedanken zu entledigen, und doch haben sie kein besonderes Bewusstsein davon, dass sie irgendwelche verdienstvollen Taten ausüben. Dies nennt man ‘in Einklang mit dem Dharma sein’.

Wolken No. 2

Keizan: Zazenyojinki

Zazen Yôjinki
Merkbuch für die Übung des Zazen

Keizan Jokin

Zazen läßt den Menschen bald seine Geisteskraft öffnen und im ursprünglichen Bereich Wohnung nehmen. Man heißt dies das ursprüngliche Antlitz offenbaren oder auch das Licht des Urstandes aufstrahlen lassen. Leib und Geist fallen miteinander aus, losgelöst in gleicher Weise von Hocken und Liegen. Man denkt weder Gut noch Böse, transzendiert profan und heilig, überschreitet die Begriffe von Verwirrung und Erleuchtung und weilt fern der Bereiche der Lebewesen und Buddhas.Darum laß alle Dinge ruhen, wirf alle Gegenstände von dir, tue in allem nichts und lasse die sechs Organe nicht wirken. Wer ist ein solcher? Von jeher kennt man nicht seinen Namen. Man darf ihn nicht Leib, man darf ihn nicht Geist nennen. Willst du ihn denken, so schneide deine Gedanken ab, willst du ihn sagen, so schwinden deine Worte. Er ist wie ein unwissender Tor, wie eine steile Wand, hoch wie der Berg und tief wie das Meer, du vermagst nicht den Gipfel zu zeigen, nicht den Grund zu schauen. Er beleuchtet ohne das Gegenüber von Gegenständen, sein Auge jenseits der Wolken ist klar, durchdringend ohne Denken, die Wahrheit ist licht im Schweigen und Deuten. Im Hocken übersteigt er das All, der ganze Leib ist in völliger Einsamkeit offenbar.

Der unauslotbare große Erleuchtete ist gleich dem großen Toten, keine Trübung hindert sein Auge, kein Staubkorn hemmt seinen Fuß. Wo ist etwas, das ihn beflecken könnte, was könnte ihn hindern? Klares Wasser hat ursprünglich weder Vorderseite noch Rückseite, der leere Raum kein Innen und Außen, durchsichtiger Kristall leuchtet aus sich selbst wunderbar. Wenn Form und Leere noch ungetrennt sind, wie können da Objekt und Subjekt entstehen?

Von je wohnt es mit uns, in unermeßlicher Zeitfolge gibt es keine Namen. Der dritte Patriarch und Großmeister gab einstweilig den Namen “Geist”, der ehrwürdige Nagarjuna nannte es vorläufig “Leib”. Die Form der Buddha-Natur aufweisend und den Leib aller Buddhas offenbarend, diese Vollmondgestalt, an der nichts fehlt und nichts zuviel ist: dieser Geist ist der Buddha. Das Licht des Selbst leuchtet von ehedem bis jetzt, nimmt sich wandelnd die Gestalt des Nagarjuna an und wirkt das Samadhi aller Buddhas. Der Geist hat ursprünglich nicht zwei Gestalten, der Leib zeigt vielfache Gestalt. Nur-Geist und Nur-Leib erklären weder Verschiedenes noch Gleiches. Der Geist wird sich wandelnd Leib, der Leib teilt sich erscheinend in Gestalten. Wenn eine Welle sich leise bewegt, folgen alle Wellen, wenn eine Gegenstandserkenntnis entsteht, kommen wetteifernd alle Dharma auf. Wenn sich die vier Elemente und die fünf Skandha vereinigen, erscheinen allsogleich die vier Glieder und fünf Organe. überdies entstehen die 36 Dinge und zwölf Ursachenverknüpfungen, sie fließen dahin, wandeln sich und folgen aufeinander. Alle Dharma-Gestalten verbinden sich. Deshalb ist der Geist gleich dem Wasser des Meeres, der Leib aber gleicht den Wellen. Wie es keine Welle außerhalb des Meerwassers gibt, so gibt es außerhalb der Wellen keinen Tropfen Wasser. Wie Wasser und Welle untrennbar sind, so sind Bewegung und Ruhe nicht verschieden. Deshalb heißt es: Geburt und Tod, Vergangenheit und Zukunft sind der wahre Mensch, die vier großen Elemente und die fünf Skandha sind der unzerstörbare Leib”.

Zazen bedeutet, in das Meer der Buddha-Natur eintauchen und den Leib aller Buddhas manifestieren. Plötzlich offenbart sich der ursprüngliche, wunderbare, lautere und klare Geist, überall leuchtet das anfängliche außerordentliche Licht. Es gibt kein Wachsen noch Abnehmen des Meerwassers, die Wellen kennen kein Zurückweichen. Alle Buddhas erscheinen wegen der einen großen Angelegenheit in der Welt, lassen die Lebewesen sich dem Buddha-Wissen öffnen und in die Erleuchtung eingehen. Diese stille, lautere, wunderbare Kunst heißt Zazen. Dieses ist das Samädhi des Selbstgenusses aller Buddhas und wird auch das “königliche Samadhi” genannt. Wenn einer einen Augenblick in diesem Samädhi wohnt, so öffnet er allsogleich den Geist; es ist in Wahrheit das Haupttor des Buddha-Weges.

Wer seinen Geist zu öffnen und zu erhellen wünscht, muß die Vielfalt von Wissen und Verstehen von sich werfen, den Dharma der Welt und den Dharma des Buddha aufgeben, alle Trübungen abschneiden. Wenn der eine wirkliche, wahre Geist in die Erscheinung tritt, so hellen sich die Wolken der Trübung auf, und der Mond des Geistes wird aufs neue klar. Der Buddha spricht: Hören und Denken weilen gleichsam in der Fremde, Zazen ist fürwahr Stillsitzen nach der Heimkehr ins Vaterhaus. Wahrlich, beim Hören und Denken kommen Lehrmeinungen nicht zur Ruhe, der Geist bleibt gehemmt, deshalb ist es wie Verweilen in der Fremde. Beim bloßen Zazen ist alles still und in Ruhe, nichts ist undurchdringlich. Deshalb gleicht es dem Stillsitzen nach der Heimkehr ins Vaterhaus.

Die Leidenschaften der fünf Verdüsterungen entstehen alle aus dem Nichtwissen. Das Nichtwissen hellt das Selbst nicht auf, das Zazen hellt das Selbst auf. Wenn einer auch die fünf Verdüsterungen ausräumt, er zählt nicht zu den Buddhas und Patriarchen, solange er das Nichtwissen nicht überwindet. Wenn einer das Nichtwissen zu überwinden verlangt, so liegt das Geheimnis in der Übung des Zazen.

Ein alter Meister spricht: Wenn die Trübung aufhört, so entsteht Stille. Wenn die Stille entsteht, so scheint Weisheit auf. Wenn Weisheit aufscheint, so offenbart sich das wahre Wesen. Wenn du die Trübung des Geistes überwinden willst, mußt du das Denken an Gut und Böse aufgeben. Auch mußt du alle Gegenstandseindrücke von dir werfen, dein Geist darf nichts denken und dein Leib darf nichts tun. Dies ist als erstes zu merken. Wenn die Trübungen durch die äußeren Gegenstände erlöschen, so schwinden zugleich auch die Trübungen des Geistes. Wenn die Trübungen dahinschwinden, so tritt das unveränderliche Wesen in die Erscheinung. Weil du es immer vollkommen weißt, ist es weder totenstill noch in Bewegung.

Von allen Techniken und Künsten, Weisen und Wegen, von Medizin, Richtungsdeutung und Wahrsagerei mußt du dich fern halten. Noch viel weniger darfst du dich Gesang und Tanz, Freudenmädchen und Musik, Wortstreit und leerem Disput, Ehre und Gewinn nahen. Zwar können Dichtung und Lieder das Herz reinigen, doch beschäftige dich nicht mit Vorliebe damit! Literatur, Pinsel und Tuschstein aufgeben, lehrt das hervorragende Beispiel derer, die den Weg übten. Dies ist sehr wichtig für die Ordnung des Geistes.

Du darfst weder schöne noch schmutzige Kleidung tragen. Schöne Kleider erregen die Gier. Auch sind Diebe zu befürchten, deshalb sind sie für den Übenden ein Hindernis. Auch wenn jemand aus besonderem Grunde solche schenkt, so lehrt doch das gute Beispiel der Alten, sie nicht anzunehmen. Und auch wenn du solche von früher her besitzest, sollst du ihnen keine Aufmerksamkeit zuwenden. Selbst wenn Diebe sie rauben, sollst du diesen nicht nacheilen und dich nicht betrüben. Schmutzige und alte Kleider mußt du waschen und ausbessern, Schmutz entfernen und sie gereinigt anziehen. Wenn du Schmutz nicht entfernst, wird der Körper kalt und Krankheit entsteht. Auch dies ist ein Hindernis für die Übung.

Wenn man auch nicht um das leibliche Leben bekümmert ist, so werden doch Mangel an Kleidung, Mangel an Speise und Mangel an Schlaf die drei Mängel genannt: alle drei werden zum Grund für Trägheit (in der Übung). Rohe, harte (unverdauliche), verdorbene, unsaubere Speisen soll man nicht essen, weil sie im Magen Unruhe stiften, im Leib Fieber und im Geist Betrübnis verursachen und das Zazen stören. Man darf nicht an wohlschmeckenden Speisen hängen. Solche schaden nicht nur Leib und Geist, sondern schaffen auch gierigen Gedanken Einlaß. Die Speise soll bloß das Leben erhalten, nicht aber den Geschmack ergötzen. Nach reichlichem Essen in Meditation hocken läßt Krankheit entstehen. Nach großen oder kleinen Mahlzeiten kann man nicht sogleich hinhocken. Erst nach einer kurzen Weile ist man zum Zazen fähig. Die Mönche müssen unbedingt beim Essen Einschränkung üben. Einschränkung heißt das Maß begrenzen: von drei Teilen zwei Teile essen und einen Teil übriglassen. Alle Heilkräuter, Sesam, Yamswurzeln soll man immer nehmen. Dies ist wichtig für die Ordnung des Leibes.

Beim Zazen darf man sich nicht an Wand, Meditationsstützbalken oder Wandschirm anlehnen. Auch übe Zazen nicht an einem Ort, der heftigem Wind ausgesetzt ist, noch steige zu einem hohen Platz mit Fernblick empor! All solches läßt Krankheiten entstehen. Wenn beim Zazen der Leib sich hitzig oder kalt, unbehaglich oder wohl, hart oder weich, schwer oder leicht oder sonst irgendwie seltsam anfühlt, so ist allemal der Atem nicht in Ordnung. Man muß ihn unbedingt ordnen. Die Ordnung des Atems geschieht, indem man eine Weile den Mund öffnet, und wenn der Atem lang ist, sich dem langen Atem überläßt, wenn der Atem kurz ist, sich dem kurzen Atem überläßt und so langsam diesen ordnet. So verfährt man eine Weile: wenn man dabei das Erleuchtungswirken wahrnimmt, ordnet sich der Atem von selbst. Danach soll man sich wieder dem Zug der Nasenatmung überlassen.

Wenn der Geist gleichsam einsinkt oder aufsteigt, wenn er dumpf oder scharf wird, (durch Wände und verschlossene Türen) die Dinge draußen schaut oder das Innere des Leibes durchschaut, wenn er den Buddha-Leib oder einen Bodhi-sattva sieht, wenn er eine Wissensschau erweckt oder Sutren und Sastren erkennt, -alle derartigen merkwürdigen Dinge und ungewöhnlichen Zustände sind Krankheitserscheinungen, die aus der Ungeordnetheit des Denkens und des Atems entstehen. Zur Zeit der Krankheit läßt man den Geist während des Hockens über den beiden Fußsohlen ruhen. Beim Versinken ins Dunkel läßt man den Geist am Rande der Haare oder zwischen den Augenbrauen ruhen. Bei Zerstreuung läßt man den Geist auf der Nasenspitze oder unter dem Nabel ruhen. Beim gewöhnlichen Sitzen ruht der Geist in der linken Handfläche. Bei längerem Sitzen zerstreut sich der Geist, auch ohne Ruhen (an einer bestimmten Stelle), von selbst nicht.

Selbst die Lehren der Alten soll man, obwohl sie den Geist erhellende Unterweisungen der Schule sind, nicht viel anschauen, niederschreiben oder hören. Wenn man solches viel tut, so wird es zu einer Ursache der Geisteszerstreuung. Alle Ermüdung von Leib und Geist kann Krankheit verursachen. übe Zazen nicht an Orten, wo Gefahr von Feuer, Wasser, Sturm und Räubern droht, noch auch am Meeresstrand oder in der Nähe von Weinschänken, Freudenhäusern, bei den Wohnungen von Witwen, jungen Mädchen und Sängerinnen! Wohne auch nicht in den Häusern von Königen, Ministern und Mächtigen noch in der Nähe von gierigen, ehrsüchtigen, streitliebenden Menschen!

Große Buddha-Feiern und gewaltige Tempelbauten sind zwar sehr gute Werke, aber wer sich ganz dem Zazen widmet, darf solche nicht üben. Auch darf er nicht Predigt und Lehrvortrag lieben, weil dadurch Zerstreuung des Geistes und ungeordnete Gedanken entstehen. An großem Zusammenlauf von Menschen darf er sich nicht ergötzen noch gierig nach Jüngern verlangen. Vielerlei Übung und mannigfaches Studium soll er nicht betreiben.

Übe nicht Zazen an einem Ort, der sehr hell oder sehr dunkel, sehr kalt oder sehr heiß ist, noch auch nahe bei sich vergnügenden Menschen oder Freudenmädchen! In der Zen-Halle, bei gutem Meister, in tiefem Wald oder dunklem Tal darf man getrost verweilen. Bei klarem Wasser und auf lichter Berghöhe ist der Ort für das Gehen, im Talgrund und unter Bäumen ist der Ort für die Klärung des Geistes. Man möge die Vergänglichkeitsschau nicht vergessen, weil sie den Geist zur Suche nach dem Weg anspornt.

Die Sitzmatte soll man dick ausbreiten, so hockt man bequem. Der Übungsort sei sauber. Wenn man beständig Weihrauch brennt und Blumen darbringt, sind die guten Schirmgötter des Dharma, die Buddhas und Bodhisattvas zugegen und verleihen Schutz. Wenn man Bilder der Buddhas, Bodhisattvas und Arhats verehrt, vermögen alle Teufel und Dämonen nicht zu nahen. Stets wohne im großen Erbarmen und wende die unermeßlichen Verdienste des Zazen allen Lebewesen zu! Laß keinen Hochmut, kein

Selbstgefühl, keine Überheblichkeit gegenüber dem Dharma aufkommen! Solches ist die Weise der Ungläubigen und Unerleuchteten. Wenn man entschieden die Leidenschaften zu durchbrechen und mit aller Kraft die Erleuchtung zu erlangen wünscht, muß man ausschließlich Zazen und in allem das Nichttun üben. Dies ist die wichtige Regel für das Zazen. Immer muß man Augen und Füße waschen, Leib und Geist stille halten und die Körperhaltungen ordnen. Weltliche Gefühle muß man aufgeben, auch darf man nicht an Erleuchtungsgefühlen haften. Mit der Lehre des Dharma soll man nicht kargen, doch lehre nicht ungebeten! Man befolge die Regel der dreimaligen Bitte und richte sich nach den vier Wesensstücken (des Lehrens)! Wenn man zehnmal zu sprechen wünscht, soll man neunmal schweigend von dannen gehen. Um den Mund wächst Schimmel; es ist wie mit einem Fächer im Dezember; wie eine Glocke in der leeren Luft nicht antwortend auf den Wind aus den vier Himmelsrichtungen, so ist die Wesensart des Jüngers des Weges. Er hat den Dharma und begehrt nichts von den Menschen, er hat den Weg und rühmt sich nicht. Dies ist wichtig.

Zazen gehört nicht zu Lehre, Übung und Erleuchtung, aber enthält diese drei Tüchtigkeiten. Erleuchtung, die das Warten auf das Satori-Erlebnis zur Norm nimmt, ist nicht das Wesen des Zazen. Übung, die die Verwirklichung der Wahrheit übt, ist nicht das Wesen des Zazen. Lehre, die das Überwinden des Bösen und Üben des Guten lehrt, ist nicht das Wesen des Zazen. Auch wenn man im Zen Lehre aufstellt, so ist es nicht die gewöhnliche Lehre. Beim Weg des unmittelbaren Zeigens in einliniger Überlieferung ist der ganze Leib ganz und gar Predigt, die Worte sind keine Sätze. Wo die Absicht versagt und die Vernunft am Ende ist, umfaßt ein Wort alles. Wo kein Haar zur Geltung gebracht wird, ist da nicht die wahre Lehre der Buddhas und Patriarchen?

Wenn man auch von Übung spricht, so ist es die Übung des Nichttuns. Der Leib bewegt sich nicht, der Mund rezitiert keine Geheimformeln, der Geist hat keine Gedanken. Die sechs Organe sind von selbst lauter, und alles ist fleckenlos. Nicht die sechzehn Übungen der Sravaka, nicht die zwölf Übungen des Pratyeka-Buddha, nicht die alle Übungen enthaltenden sechs Paramitä des Bodhisattva, sondern das Nichttun von allem heißt Buddhawerden. Nur im Samädhi des Selbstgenusses aller Buddhas wohnen, sich ergötzen in den vier beglückenden Übungen des Bodhisattva, - ist das nicht die tiefe, wunderbare Übung der Buddhas und Patriarchen?

Oder wenn man auch Erleuchtung lehrt, ohne Erleuchtungs(-Übung) erleuchtet sein, ist das königliche Samadhi, das Samadhi des ungeborenen Wissens, das Samädhi des All Wissens, das Samadhi des ursprünglichen Wissens, das Aufspringen des lichten Tores der Weisheit des Vollendeten und des Dharma-Tores der großen Beglückung. Die Unterschiede von Erleuchtetem und Unerleuchtetem, von Trübung und Erleuchtung hinter sich lassend, ist dieses nicht das Erlebnis der ursprünglichen großen Erleuchtung?

Ferner gehört das Zazen auch nicht zu Gebot, Versenkung und Weisheit, aber es enthält diese drei Disziplinen. Gebot heißt das Unrechte verhindern und das Böse hemmen. Zazen schaut das Ganze ohne Dualität, verwirft alle Erscheinungen und läßt alle Gegenstände ruhen, kümmert sich nicht um Buddha-Gesetz und Gesetz der Welt, vergißt beide, nämlich das Gefühl des Buddha-Weges und das Gefühl der Welt, kennt weder richtig noch falsch, weder gut noch böse. Wie gäbe es da Verhindern und Hemmen? Dieses ist das Gebot des gestaltlosen Geistes.

Versenkung ist ungeteilte Kontemplation. Zazen bedeutet das Ausfallen von Leib und Geist, die Trennung von Trübung und Erleuchtung, ein Zustand ohne Veränderung und ohne Bewegung, ohne Tun und ohne Dunkel, gleichsam wie von Sinnen, wie eine steile Wand, wie der Berg und wie das Meer. Die beiden Formen von Bewegung und Ruhe entstehen offensichtlich nicht. Dieses ist Versenkung ohne die Form der Versenkung. Weil die Form der Versenkung fehlt, heißt sie die “große Versenkung”.

Weisheit bedeutet Wählen und Verwerfen in vollkommener Erkenntnis. Beim Zazen erlöscht von selbst die Erkenntnis (von Gegenständen), die Bewußtseinstätigkeiten fallen für immer in Vergessenheit. Der ganze Leib wird zum Weisheitsauge und schaut ohne Wählen und Werten klar die Buddha-Natur. Ohne Verwirrung durch eine ursprüngliche Trübung schneidet (das Weisheitsauge) die Wurzeln des Bewußtseins ab, alles klar durchdringend. Dies ist die Weisheit ohne die Form der Weisheit. Weil die Form der Weisheit fehlt, heißt sie die “große Weisheit”.

Die Lehren aller Buddhas und die verschiedenen Lehrstufen der Predigt des Ehrwürdigen w sind alle in Gebot, Versenkung und Weisheit enthalten. Im Zazen wird alles Gebot beobachtet, alle Versenkung geübt und alle Weisheit realisiert. Die Bezwingung des Bösen (Mara), die Erlangung der Erleuchtung, das In-Bewegung-Setzen des Dharma-Rades und das Eingehen in das Nirvana beruhen alle auf dieser Kraft. Wunderkräfte, außergewöhnliche Tätigkeiten, Lichtstrahlen und Verkündigung des Dharma beruhen alle auf dem Zazen. Und auch die Übung des Zen ist Zazen.

Wenn du Zazen üben willst, so ist zunächst ein ruhiger Ort dafür gut. Breite ein Sitzkissen dick aus! Laß Wind und Rauch nicht eindringen. Regen und Tau keinen Schaden tun! Nimm genügend Raum für die Kniee, reinige den Ort des Zazen! In alter Zeit saß man im Diamantsitz und Spuren zeugen vom Hocken auf Felsen, doch hockt man nicht ohne Sitzkissen. Der Platz des Hockens sei bei Tag nicht hell und bei Nacht nicht dunkel, im Winter warm und im Sommer kühl, so lautet die Anleitung.

Wirf ab Geist, Wollen und Bewußtsein, laß Gedanken, Vorstellungen und Sehen ruhen, denke nicht daran Buddha zu werden! Urteile nicht über richtig und falsch! Bei Tag und bei Nacht nutze die Zeit, als ob du Feuer am Kopf löschen müßtest! Das Sitzen in Meditation des Vollendeten, die Wand-Meditation im Tempelkloster Shao-lin waren nichts anderes als ausschließliches Zazen in völliger Konzentration. Shih-shuang vergleicht es mit einem dürren Baum, Ju-ching vom Berg Ta-po schalt (ob des Schlafens bei der Übung). Ohne Weihrauchbrennen und Verehrung, ohne Anrufen des Buddha-Namens und Reuezeremonie, ohne Sutrenrezitation und Beschwörungsriten erlangt man durch ausschließliches Zazen die Erleuchtung.

Bei der Übung des Zazen soll man das Mönchsgewand (kesa) anlegen (außer am frühen Morgen vor Beginn des rituellen Tagesablaufes und am späten Abend) und es nicht weglassen. Das Sitzkissen (von einem Durchmesser von 1 shaku 2 sun und einem Umfang von 3 shaku 6 sun) darf die Sohlen nicht ganz stützen, es reicht von der Mitte der Fußsohle nach hinten bis unter den Knochen der Rückenmarksäule. So ist es die Hockart der Buddhas und Patriarchen. Man sitzt im Verschränkungssitz oder halben Verschrän-kungssitz. Beim Verschränkungssitz legt man zuerst den rechten Fuß über den linken Oberschenkel, dann den linken Fuß über den rechten Oberschenkel. Die Kleidung legt man locker an (das Unterkleid ist mit einem Band gegürtelt), aber sie sei ordentlich. Dann läßt man die rechte Hand auf dem linken Fuß, die linke Hand auf der rechten Hand ruhen, bringt die einander entgegengestellten Daumen beider Hände sich stützend in die Nähe des Körpers, die gestützten Daumen ruhen gegenüber dem Nabel. Der Körper soll gerade hocken, ohne nach links oder nach rechts zu neigen oder sich nach vorn oder nach rückwärts zu beugen. Ohren und Schultern, Nase und Nabel müssen unbedingt einander gegenüberstehen, die Zunge haftet am oberen Gaumen, der Atem geht durch die Nase, Lippen und Zähne sind geschlossen, die Augen sollen nicht zu weit und nicht zu eng geöffnet sein. Wenn so der Körper in Ordnung ist, atmet man tief, einmal oder zweimal stößt man mit offenem Mund die Luft aus. Dann wiegt man, fest sitzend, den Körper sieben- oder achtmal, anfangs kräftiger, dann immer leichter, bis der Körper in unbewegter Steilheit dahockt. Nun denke das Nichtdenken! Wie soll man es denken? Nichtdenken, dies ist das Wichtigste beim Zazen. Man durchbricht die Leidenschaften und erlangt die Erleuchtung.

Wenn man von der Meditation aufstehen will, legt man zunächst beide Hände geöffnet auf beide Kniee, wiegt den Körper sieben- oder achtmal, anfangs leicht, dann bis zu kräftiger Bewegung. Man öffnet den Mund und stößt die Luft aus, dann spreizt man beide Hände und preßt den Boden. Leicht erhebt man sich aus dem Sitz und geht langsam im Kreis rund von links nach rechts und von rechts nach links.

Wenn einem beim Hocken Tiefschlaf ankommt, so soll man beständig den Körper bewegen oder die Augen aufreißen, oder man soll den Geist auf dem Kopfscheitel oder am Rand der Haare oder zwischen den Augenbrauen ruhen lassen. Wenn man sich so noch nicht wachhalten kann, so soll man mit den Händen die Augen wischen oder den Körper reiben. Wenn du immer noch nicht wach bleiben kannst, so steh vom Sitz auf und geh nach links im Kreis rund! Wichtig ist, daß dies in der richtigen Ordnung geschieht. Wenn du hundert Schritte getan hast, bist du gewiß von der Schläfrigkeit erwacht. Das Schrittmaß beim Gehen ist jeweils ein halber Schritt bei einmaligem Ein- und Ausatmen. Beim Gehen halte dich wie beim Nichtgehen ruhig ohne Bewegung! Wenn du bei solchem Rundgehen dennoch nicht erwachst, so wasche die Augen, kühle den Kopf oder sage die Einleitung zum Brahmajala-sutra her! Schüttle so den Schlaf auf vielerlei Weise ab! Bedenke die Wichtigkeit von Leben und Tod und die rasche Vergänglichkeit, ferner was es heißt schlafen, ohne noch das Erleuchtungsauge geklärt zu haben! Wenn die Schläfrigkeit immer wieder kommt, so sprich betend: Wegen eines bösen Karma ist die Gewohnheit stark, wann werde ich aus dem Dunkel des Schlafes erwachen? Mögen die Buddhas und Patriarchen mich mit großem Erbarmen vom Leid der Schläfrigkeit befreien!

Wenn der Geist sich zerstreut, so laß den Geist auf der Nasenspitze oder unter dem Nabel ruhen und zähle das Ausatmen und Einatmen! Wenn der Geist noch nicht zur Ruhe kommt, so nimm ein Koan und wecke dich auf! Zum Beispiel: Was ist das, was da so daherkommt? Oder die Buddha-Natur des Hundes - Mu, oder der Berg Sumeru des Yün-men, oder der Lebensbaum des Chao-chou. Solche ungewöhnliche Sprüche sind geeignet.

Wenn sich der Geist immer noch nicht beruhigt, übe mit letztem Einsatz im Hinblick auf den Augenblick, wo der Atem abbricht und die Augen für immer erlöschen, oder auch im Hinblick auf den Augenblick vor der Empfängnis im Mutterleib und dem Entstehen des einen Gedankens. Wenn plötzlich die Leere von beidem (nämlich Subjekt und Objekt) erscheint, weicht bestimmt die Zerstreuung des Geistes.

Wenn du nach dem Aufstehen von der Meditation ohne zu denken die Körperhaltung einnimmst, so erscheint das Koan. Wenn du ohne Unterscheidung Übung und Erleuchtung manifestierst, so erscheint das Koan. Was vor einem Zeichen und jenseits dem Zeitalter (Kalpa) der Leere ist, der Kern des wunderbaren Wirkens der Buddhas und Patriarchen ist nur dieses Eine. Laß allsobald die Dinge ruhen und schwinden, entweiche in ein kühles Land, in das Nu der zehntausend Jahre, in (die Leblosigkeit) kalter Asche und eines dürren Baumes, in den Weihrauchduft eines alten Grabes, in einen Faden weißer Seide! Dieses ist mein allerhöchstes Beten.

(Diese Übersetzung stammt aus dem Buch “Dogen Zen - Kleine Schriften der Soto-Schule” von Heinrich Dumoulin. )

Dogen: Fukanzazengi

FUKANZAZENGI
Universelle Aufforderung zum Zazen

Eihei Dogen Zenji


Der Weg ist in seinem Wesen vollkommen. Er durchdringt alles. Wie könnte er also von Übung und Verwirklichung abhängen? Das Fahrzeug des Dharma ist frei und losgelöst von allen Fesseln. Wozu also ist das konzentrierte Bemühen des Menschen notwendig? Wahrlich, das Ganze ist weit jenseits des Staubes der Welt. Wer könnte da glauben, es gäbe Mittel, es vom Staub zu befreien? Er ist nie von irgend jemand unterschieden, niemals anderswo, sondern immer genau da, wo man gerade ist. Wozu also hier - oder dorthin gehen, um zu üben?

Und dennoch, wenn da ein Graben ist, und sei er noch so schmal, bleibt der Weg so fern wie der Himmel von der Erde. Wenn auch nur die kleinste Vorliebe oder Abneigung aufkommt, verliert sich der Geist in der Verwirrung. Mag jemand glauben zu verstehen und sich täuschen über seine Erweckung, die Weisheit zwar erahnend, die alle Dinge durchdringt, mag er sich auf den Weg begeben und die Seele geläutert haben, mag er so den Wunsch in sich tragen, den Himmel zu erklimmen: er hat in begrenzter Weise begonnen, die Randzonen zu erforschen, doch er ist noch lange nicht auf dem ursprünglichen Weg der vollkommenen Befreiung.

Muß ich vom Buddha sprechen, der die Erkenntnis von Geburt an besaß? Man spürt noch heute den Einfluß der sechs Jahre, während er im Lotussitz saß, völlig unbeweglich. Und die Weitergabe des Siegels bis in die heutige Zeit hat die Erinnerung an Bodhidharma bewahrt,der neun Jahre vor einer Wand in Versenkung saß. So war es also schon mit den Heiligen von einst, wie könnten sich da die Menschen von heute der Aufgabe entziehen, den Weg zu bewältigen?

Daher müßt ihr diejenige Form der Übung aufgeben, die nur auf gedankliches Verständnis zielt, die den Worten nachläuft und bei der ihr an den Buchstaben klebt. Ihr müßt die Umkehr lernen,die euer Licht nach innen richtet, um so eurer wahres Wesen zu erleuchten. Körper und Seele werden so von selbst verschwinden, und euer ursprüngliches Gesicht wird sich zeigen.

Für Zazen ist ein stiller Raum geeignet. Eßt und trinkt in Maßen. Verwerft alle Verpflichtung, und gebt alle Dinge auf. Denkt nicht: “Das ist gut, das ist schlecht”. Seit nicht parteiisch, nicht für noch gegen. Haltet alle Bewegungen des bewußten Geistes an. Urteilt nicht mit Meinungen und Erwägungen. Beabsichtigt in keiner Weise, Buddha zu werden.

Das Zazen, von dem ich spreche, ist nicht die gängige Lehre von der Meditation, es ist nichts weiter als das Dharma von Frieden und Glück,die Übung vollkommener Erweckung. Zazen ist eine Offenbarung der letzten Wirklichkeit. Schlingen und Netze können sie nie einfangen. Wenn ihr das einmal im Herzen begriffen habt, werdet ihr sein wie der Drache, wenn er das Wasser erreicht, und wie ein Tiger, wenn er die Berge durchstreift. Denn man muß wissen, das genau in dem Augenblick (wenn man Zazen übt), sich das wahre Dharma offenbart, und daß man von Anfang an die körperliche und geistige Erschöpfung und die Zerstreuung verjagt.

Ferner, die Öffnung des Wesens zur Erweckung durch einen Finger,eine Fahne, eine Nadel, einen Holzhammer, die vollkommene Verwirklichung durch einen Fliegenwedel, eine Faust, eine Stock, einen Schrei, dies alles kann durch das dualistische Denken des Menschen nicht vollständig erreicht werden. In der Tat kann es auch durch Ausübung übernatürlicher Kräfte nicht noch besser erkannt werden. Das ist jenseits dessen, was der Mensch hört und sieht - und ist das nicht ein Prinzip, das vor allem Wissen und jeder Wahrnehmung liegt?

Wenn dem so ist, so besagt es wenig, ob man intelligent ist oder nicht. Es gibt keinen Unterschied zwischen dumm und klug. Die Bemühungen, ganz und gar konzentriert zu sein, bedeutet in sich schon, den Weg zu bewältigen. Die Übung ist ihrem Wesen nach rein. Fortschreiten ist eine Sache des Alltages.

Insgesamt wird das Buddhasiegel in dieser und in anderen Gegenden, in Indien wie in China respektiert. Als Besonderheit dieser Schule ist maßgebend: ganz einfach Hingabe an die Versenkung im Sitzen, unbeweglich und mit ganzem Einsatz SITZEN. Wenn man auch davon redet, daß es so viele Seelen wie Menschen gibt, so bewältigen doch alle den Weg auf gleiche Weise, durch die Übung von Zazen. Warum den Sessel aufgeben, der zu Hause für euch reserviert ist, um auf dem staubigen Boden fremder Gegenden umherzuirren? Ein einziger Schritt, und ihr weicht von dem Pfade ab, der ganz gerade vor euch liegt. Ihr habt die einzigartige Gelegenheit, menschliche Gestalt anzunehmen.

Vertut nicht eure Zeit. Ihr tragt euren Teil der Essenz des Buddhaweges in euch. Wer würde sich da noch an Funken aus einem Kiesel erfreuen? Form und Substanz sind wie der Tau auf dem Blatt; das Schicksal wie ein Blitz - verschwunden im Nu.

Keizan Zenji

Keizan JokinKeizan Jokin, geboren in der Provinz Echizen gilt in der Soto-Schule als der “Große Patriarch” (Taiso) neben dem “Hohen Patriarchen” (Koso) Dogen. Seine Mutter brachte ihn zur Erziehung zu den Zen-Mönchen des Eiheiji. Mit 12 Jahren empfängt er von Ejo, kurz vor dessen Tode (1280) die erste Mönchsordination. Bis zum Alter von 17 Jahren bleibt er unter Leitung von Gikai im Eiheiji. Danach bricht Keizan zu einer mehrjährigen religiösen Pilgerfahrt (1285-1288) auf.

Er besucht Männer verschiedener Richtungen auf, hauptsächlich bemüht um die Zen-Meditation, der er sich im Kokyoji unter der Leitung des strengen Jakuen bemühte. In Kyoto studierte er unter den Rinzai-Meistern Tozan Tansho und Hakuun Egyo, beides Schüler des Enni Ben´en. Diese Meister brachten wie Gikai eine erhebliche Beimischung aus dem Shingon in die Praxis. Einen Besuch des Hiei-Berges benutzt Keizan zum Studium der Tendai-Lehre, bevor er bei dem hervorragenden Kenner der Koan-Sammlung Mumonkan, Shinchi Kakushin weilte. Eine große Erfahrung buddhistischer Religiosität dürfte das Ergebnis dieser Reise gewesen sein und Keizan für sein späteres Leben inspiriert haben. Nach seiner Heimkehr in das Tempelkloster Daijoji macht Gikai ihn 1294 zu seinem Dharma-Erben. Keizan wird Gründerabt des Jomanji in der Provinz Awa bestimmt. Im Folgejahr, beim Besuch des Eiheiji, empfängt er von Hi´en die großen Bodhisattva-Gelübde.

Auf dem Rückweg von einer Reise zum Tempel Daijiji begegnet er in Kyoto das erste Mal seinem späteren Schüler und Nachfolger Gasan Joseki. Im Alter von etwa 30 Jahren entwickelt Keizan eine rege Tätigkeit im Tempelkloster Jomanji, kehrt aber auf Wunsch des hochbetagten Gikai ins Daijoji zurück, wo er ab 1300 mit der Erklärung seines Werkes Denkoroku beginnt. Nach der Abdankung Gikai´s (1303) übernimmt er die Leitung des Tempelklosters Daijoji, welches unter seiner Leitung zu einem bedeutenden Zentrum des Buddhismus in den nord-östlichen Provinzen wird. Sein steigender Ruf bescherte ihm vermehrt Anhänger und Schüler, denen er sein Hauptwerk Denkoroku vorlegt. Keizan schreibt im Daijoji auch das “Merkbuch für die Übung des Zazen” (Zazenyojinki). Dieses Buch mahnt ebenso wie Dogens Anweisungen zum Zazen zur eifrigen Übung und erklärt, daß es beim Zazen um die wesentliche Geisteshaltung geht. Die Koan-Übung, als Konzentrationshilfe, hat einen wichtigen Stellenwert in Keizan´s Zen-Meditation.

Das Zazenyojinki wird in der Soto-Schule bis heute hoch geschätzt und der Meditationspraxis zugrunde gelegt. Keizan verwaltet fast ein Jahrzehnt lang, zuerst zu Lebzeiten Gikai´s, das Tempelkloster Daijoji (1303-1311). Außer dem Denkoroku und dem Zazenyojinki verfaßt er die Schriften Shinjinmeinentei und Sankonzazensetsu. Er war überzeugt von der Notwendigkeit der Anpassung an den Zeitgeist und der Integration anderer buddhistischer Formen. Die Leitung des Daijoji übertrug er seinem Schüler Meiho Sotetsu (1277-1350). Er gründete dann das Jojuji, zu dessen Leiter er bald seinen Schüler Mugai Chikyo (gest. 1351) machte. Den Shingon-Tempel Yokoji baute er aus und wandelte ihn in ein Zen-Kloster um, in dem er mehrere Jahre wirkte. Aufgrund seiner freundschaftlichen Beziehungen zu dem Vinaya-Meister (jap. Risshi) Joken wurde ihm der Shingon-Tempel Shogakuji überlassen. Dieser Tempel, von Keizan in Sojiji umbenannt, wurde zu einem Haupttempel der Soto-Schule (1322), zum “Großen Hauptsitz” (daihonzan) im gleichen Range mit dem Eiheiji-Kloster.

Im Jahre 1324 zog sich Keizan von der Leitung des Sojiji zurück und übergab die Leitung an seinen Schüler Gasan Joseki (1275-1365).Nach seinem Rückzug in das Kloster Yokoji verfaßte er noch kurz vor seinem Tode (1325) das Regelbuch für das monastische Leben (Keizan Shingi). Keizan´s Gebeine wurden auf die vier Tempel Daijoji, Yokoji, Jojuji und Sojiji verteilt und ehrenvoll beigesetzt.

Dôgen Zenji

Eihei Dôgen Kigen gilt als einer der eigenwilligsten und stärksten Denker, den JapanDogen Kigen hervorgebracht hat, und wird von den Anhängern aller buddhistischen Schulen Japans verehrt. Er entstammt einer Familie, die dem Hofadel angehörte.

Sein Vater starb als er zwei Jahre alt war, der Tod der Mutter traf das siebenjährige Kind tief und vermittelte ihm eine erste tiefe Einsicht in die Vergänglichkeit. Das Versprechen, welches Dogen seiner Mutter in ihrer Sterbestunde gab - Mönch zu werden und für die Rettung aller Wesen zu wirken - festigten seinen Entschluß der Weltentsagung. Im Alter von 12 Jahren flieht Dogen in die Obhut von Ryokan Hogen, einem Verwandten mütterlicherseits, der sich in einem Tempel am Berg Hiei buddhistischen Studien und magischen Praktiken hingibt. Ryokan hilft ihm beim Eintritt in den Mönchsstand, schickt ihn aber zum Abt des Klosters Senkobo auf dem Hiei-Berg. Nach dem Tode des Abtes Ji´en kommt Dogen unter die Obhut Koen´s, des Oberhauptes der Tendai-Schule, der ihm 1213 die Mönchsweihe gibt. Er erhält den Mönchsnamen “Dogen” (Grund des Weges). Nach einer Zeit der Wanderungen und Besuche verschiedener Klöster trat Dogen 1217 in das Tempelkloster Kenninji ein und begab sich damit in die Schule von Myozen (1184-1225), dem Nachfolger von Eisai, wo er die Vermischung von Zen mit Tendai und Shingon kennenlernt. Myozen, in dem Dogen einen echten Meister fand, ließ seine Schüler nach der strengen Art der Rinzai-Schule üben. Sein tiefes religiöses Verlangen bleibt aber weiterhin unbefriedigt, immer stärker zieht es ihn nach China, dem Geburtsland des Zen.

Im Frühjahr 1223 reiste Dogen mit Myozen, der ähnlich interessiert an China war, zu einer Reise ins Reich der Mitte auf. Nach der Ankunft in einem mittelchinesichen Hafen verbleibt Dogen noch drei Monate auf dem Schiff. Die erste tiefere Annäherung mit dem chinesischen Zen erfährt Dogen durch den Küchenmeister des Tempelklosters auf dem A-yü-wang-Berg, der auf das Schiff kommt um japanische Pilze (jap. shiitake) zu kaufen. Der alte Mönch erklärt Dogen den Stellenwert der Zen-Übung in der Küche und den Wert der Praxis. Bei einem Besuch Dogen´s im Tempelkloster auf dem T´ien-t´ung, wo der alte Mönch mittlerweile wohnte, wird das Thema wieder aufgenommen und wird zu einer unauslöschlichen Erfahrung, die Dogen 14 Jahre später in seiner Schrift “Die Belehrung durch den Mönchskoch” (Tenzo no kyokun) beschreibt. Der alte Mönch hatte ihm gezeigt, daß die alltägliche Arbeit, die aus Erleuchtung fließt, religiöse Übung ist und jede Arbeit Zen-Übung sein kann - eine Erkenntnis, die Dogen sein Leben lang in vielen Formen ausgedrückt hat. Nach Verlassen des Schiffes ging Dogen in das Tempelkloster Chin-te-su auf dem T´ien- t´ung-Berg, welches unter der Leitung von Wu-chi Liao-p´ai stand. Die strenge Disziplin der Mönche bewundernd, übte er eifrig. Etwa um 1224 besucht er eine Reihe anderer Klöster und lernte verschiedene Schulen und Richtungen kennen. Nach einigen Monaten, als er zum T´ien-t´ung-Berg zurückkehren wollte, hört er vom Nachfolger Wu-chi´s, dem Meister Ju-ching (jap. Nyojo, 1163-1228). Dogen trifft Ju-ching am 1. Mai 1225 zum ersten Male und findet in ihm den “authentischen Lehrer” (jap. Shoshi). T´ien-t´ung Ju-ching war Dharma-Erbe von Tsu-an Chih-chien des Ts´ao-tung (jap. Soto). Als strenger, einfacher und anspruchsloser Asket verband er Strenge mit herzlicher Güte. Während der Zeit der Sommerübung stirbt sein japanischer Lehrer Myozen. Wenig später erfährt Dogen Erleuchtung. Nach der Anerkennung seiner Erleuchtung durch Ju-ching erhält Dogen von diesem das Siegel der Nachfolge im Patriarchat der Soto-Schule. Durch das Siegel der Nachfolge wurde der traditionsbewußte Dogen in die Traditionslinie hineingenommen, die sich über Hui-neng, die chinesischen und indischen Patriarchen auf Kasyapa und Shakyamuni zurückführt. Während des nachfolgenden Aufenthaltes auf dem T´ien-t´ung- Berg übergab Ju-ching Dogen ein Dokument, das die authentische Weitergabe des Nachfolgetitels an seinen Schüler Dogen, Mönch aus Japan, bestätigt. Dieser Akt gilt als Beginn der japanischen Soto-Schule.

Einige Zeit bleibt Dogen noch in China, um seine Erfahrung zu vertiefen. Ein Angebot Ju- ching´s als dessen Assistent zu bleiben, lehnt er ab und kehrt 1227 “mit leeren Händen” zurück. Außer den zwei von Ju-ching anvertrauten Gegenständen, dem Dharma-Gewand des Altmeisters Fu-jung Tao-k´ai, welches die Überlieferungslinie symbolisierte, und einem Porträt Ju-ching´s nahm Dogen nichts zur persönlichen Erinnerung mit. Sein Verlangen nach dem Dharma war gestillt. Nach der Rückkehr nach Japan, begab sich Dogen ins Kenninji in Kyoto, um seinen Gefährten Myozen zu bestatten. Er hatte keine Absicht ein neue buddhistische Schule zu gründen. Während seines Aufenthaltes im Kennenji schrieb er 1227 seine Anleitung zur Übung des Zazen, das Fukanzazengi. Seit dem Weggang Myozen´s hatten sich die Zustände im Kennenji dermaßen verschlechtert, daß sich Dogen 1230 in den kleinen Landtempel Anyoin zurückzog. Dort lehrte er seine Schüler Zazen und die Verwirklichung der Buddha-Natur durch stete Übung.. Der Tempel, nahe zur Hauptstadt Kyoto gelegen wurde bald ein Mittelpunkt für Zen-Übende. Dogen schrieb das erste Kapitel seines Hauptwerkes Shobogenzo (Schatzkammer des Auges des wahren Dharma). Drei Jahre später zieht Dogen aus der Enge des kleine Tempels Anyoin in das nahe gelegene Kannon-Doriin. Den dem Bodhisattva Kannon geweihten Tempel erweiterte er durch eine Mönchshalle (sodo), die 1236 eingeweiht wurde. Das Kannon-Doriin wurde in Koshiji umbenannt. Im nächsten Jahr kam die Dharma-Halle (hatto) hinzu, und etwas später der Anbau zur Mönchshalle. Viele begabte Schüler kamen zu Dogen, ebenso zahlreiche Laien, um unter seiner Führung ernsthaft Zen zu üben.

1234 schließt sich ihm Koun Ejo (1198-1280) an. Obwohl 2 Jahre älter als Dogen und eine ausgebildete Persönlichkeit aus der Bodhidharma-Schule, bat Ejo, überzeugt von Dogen´s Wesen und Wirken, um Aufnahme als Schüler. Später stießen u.a. noch Ekan, Tettsu Gikai, Gi´en und Giun hinzu. Dogen machte Ejo zu seinem ersten Schüler und zum Hauptmönch in der Mönchshalle. Zusammen mit ihm plante Dogen das hundertbändige Shobogenzo, welches er ohne die Hilfe Ejo´s nicht in diesem Umfang hätte verwirklichen können. Der Zustrom von Schülern und Anhängern erweckte zunehmend Neid und Feindseligkeit der Tendai-Mönche des Hiei-Berges. Das nahegelegene Kyoto entwickelte sich zu einem Zentrum der Rinzai-Schule. Im Jahre 1243 bricht Dogen, der rivalisierenden Atmosphäre überdrüssig, in die Provinz Echizen auf, wo er zuerst mit dem kleinen Landtempel Kippoji vorlieb nahm. Hatano Yoshishige, Laienanhänger und Freund Dogen´s, stellte ihm ein herrliches Grundstück für den Neubau eines Zen-Tempelklosters zur Verfügung. Schon im folgenden Jahr konnte das neue Kloster mit dem Namen Daibutsuji eröffnet werden; der endgültige Name Eiheiji (Tempel vom ewigen Frieden) ist für immer mit dem Andenken Dogen´s verknüpft, der in diesem Tempel seine würdige Gedächtnisstätte hat.

Das Eiheiji gilt als Krönung von Dogen´s Lebenswerk, der in der Tempelanlage das mönchische Ideal des Zusammenlebens in der Gemeinschaft zur Geltung brachte und sich um den Ausbau von Regeln und Ritual bemühte. Dogen´s Gesundheit gab ernsten Anlaß zur Besorgnis. Oft ans Zimmer gebunden, schrieb er die letzten Zeilen des Shobogenzo, welches nicht mehr die geplanten 100 Bücher erreichen sollte. Im August 1253 reist Dogen mit seinem Vertrauten Ejo nach Kyoto, um ärztliche Hilfe und sorgfältige Pflege zu erhalten, aber seine Krankheit, vermutlich eine Lungenkrankheit, war zu weit fortgeschritten.Dogen stirbt am 28. August 1253.

Kurz vor seinem Tode verfaßt er zwei japanische Lieder, in denen seine Seele lebt:

Asahi matsu
Kusa-ha no tsuyo no
hodo naki ni
isogi na tatte
so nobe no akikaze

Auf Blatt und Gräsern
harrend der Morgensonne
rasch hinschmelzend der Tau.
Eile nicht so, du Herbstwind,
der auf dem Feld sich erhebt!

………

Yo no naka wa
nan ni tatoen
mizutori no
hashi furu tsuyu ni
yadoru tsuki kage

Wem vergleich ich wohl
Welt und des Menschen Leben?
Dem Mondesschatten,
wenn er im Tautropf berührt
des Wasservogels Schnabel.

Nach:
Heinrich Dumoulin,
Geschichte des Zen-Buddhismus, Band II: Japan,
Francke Verlag Bern

Die Notwendigkeit von Zazen, oder Meditationspraxis (Teil 4)

<< Teil 3 << Am Anfang werden sich die Knie von alleine vom Kissen heben und du wirst sie wiederholt niederdrücken müssen. Das ist eine gewaltlose Aktion bedingt durch Muskelspannungen. Ich kann mich daran erinnern zu sehen wie sich mein linkes Knie von den Kissen des Sojiji anhebt obwohl ich meine Muskeln anstrengte dieses zu verhindern. Die meisten Lehrer begreifen, dass dies unfreiwillig geschieht, doch es gibt auch solche, die das nicht begreifen und den Übenden konsequen bestrafen statt ihm zu helfen. In großen Tempeln wird dem Übenden, wenn er sich bewegt, die Notwendigkeit des Stillsitzens durch Schläge mit dem kyosaku, dem “Erweckungsstock”, beigebracht. Normalerweise ist dieser Stock in den Händen einer befähigten Person, die die Möglichkeit unfreiwilliger Bewegungen begreift und deshalb den Missetäter nicht bestraft, doch gelegentlich findet der Stock seinen Weg in die Hände eines Neulings in der Trainingsabteilung, mit unglückseligen Ergebnissen. Wie auch immer das ist, wichtig ist es so ruhig als möglich zu sitzen, und wenn man sich bewegen muss das Sitzen für ein paar Minuten aufzugeben und später weiterzumachen. So wie Buddha Shakyamuni unsinnige Askese aufgab, so sollten wir modernen Übenden nicht das Unmögliche versuchen. Das soll nicht heißen, dass wir nicht versuchen sollten unseren Körper zu beherrschen - wir versuchen das, aber allmählich und in mit der geringstmöglichen Anstrengung, denn ein überstrapazierter Körper führt zu einem überanstrengten Geist.
Nachdem die Beine bequem eingerichtet sind, platziere die rechte Hand, mit der Innenfläche nach oben, in die linke, so dass sich die Daumen leicht berühren und die beiden Hände wie ein leicht abgeflachtes Oval aussehen. Das ist die Vorgehensweise für Rechtshänder, mit dem Zweck dass die aktive Seite des Körpers von der passiven unterdrückt wird; ein Linkshänder würde seine linke Hand in die rechte legen. Es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, aber ich habe herausgefunden, dass dies, vor allem für Westler, die beste Praxis ist. Solange jemand den höchsten Zustand der Gelassenheit erreichen möchte, sollte der aktivere Teil des Körpers durch den entgegengesetzten beruhigt werden. >> Teil 5 >>

by Jiyu Kennett, in: Selling Water by the River, Kapitel 4, Ausgabe 1972

Übersetzung: Kyo-San

Die Notwendigkeit von Zazen, oder Meditationspraxis (Teil 3)

<< Teil 2 << Ein ruhiger Raum in deinem Zuhause, an dem du nicht gestört wirst, ist die beste Wahl, wenn du nicht in eine Meditationshalle gehen kannst. Dort sollte es nicht zu hell oder zu dunkel, nicht zu warm oder zu kalt sein. Ganz allgemein gesagt ist es besser zu meditieren, wenn der Körper eher etwas kühler ist statt wärmer. Du wirst ein großes rechteckiges Kissen brauchen - etwa 60 bis 90 Zentimeter im Quadrat - und da drauf brauchst du ein weiteres Kissen, kleiner und rund, etwa 20 Zentimeter im Durchmesser und 20 Zentimeter hoch, wie ein Ball; wenn du so etwas nicht zur Verfügung hast, dann nimm ein rechteckiges Kissen, falte es um es doppelt so hoch zu machen. Trage nichts enganliegendes oder einengendes. Hosen, Socken, enge Hemden und ähnliche Kleidungsstücke sollten sorgsam vermieden werden, ebenso wie Kleidung, die zu kurz ist, wie Mini-Röcke. Die Japaner, sowohl Priester als Laien, tragen, wenn sie nicht spezielle Roben haben, eine sogenannte hakama, einen weit gefalteten Rock unter den man seine Hände stecken kann, wenn man von Insekten attackiert wird. Es erlaubt ein bequemes Kreuzen der Beine ohne unnötige Reduzierung des Blutkreislaufes.
Natürlich ist es am besten, wenn man in der Lotus-Position sitzen kann, bei der die Beine so gekreuzt werden, das jeder Fuß auf dem gegenüberliegen Schenkel platziert wird, doch das können nicht alle Menschen. Einige kommen mit der sogenannten Halben-Lotus-Position zu recht, bei der nur ein Fuß auf dem gegenüberliegenden Schenkel platziert wird; andere nutzen die als Burmesisch bekannte Position, bei der die Beine nicht überkreuzt werden, die Knie zu jeder Seite hingestreckt sind und der eine Fuss vor den anderen gelegt wird. Diese letzte Position wird von Westlern, die die Lotus-Position als unerträglich ansehen, sehr favorisiert. Es gibt noch einige andere Positionen, die ein guter Lehrer zeigen kann, wenn all diese hier zu schmerzhaft sind. Es ist auch möglich einen Stuhl zu benutzen, aber bedenke dass der Körper, wenn er müde wird, schwerlich seine Stabilität behält solange er nicht auf einer breiten Basis sitzt, wie sie die gerade beschriebenen drei Positionen bieten; abgesehen davon besteht die Gefahr geschwollener Füße wenn sie eine gewisse Zeit baumeln. Während ich Sojiji Westler anleitete, fand ich heraus, dass obwohl der anfängliche Schmerz beim vollen Lotus heftig ist, es die Anstrengung wert ist wegen der Geübtheit die man später während langer Sitzperioden erreicht. Das Geheimnis sich selbst zum Sitzen in dieser Position zu trainieren ist es am Anfang nicht zu lange zu tun. Schließlich ist Zazen kein Ausdauertest, trotz der Tatsache dass es in einigen japanischen Tempeln so gehandhabt wird. Dôgen Zenji, der diese Meditationsmethode von China nach Japan brachte warnte ausdrücklich vor asketischen Exzessen, indem er sagte dass Zazen als “der bequeme Weg” geschätzt wurde. Jeden Tag fünf Minuten richtig gemacht wird in drei bis sechs Monaten dazu führen dass man zwanzig bis vierzig Minuten vielleicht nicht ganz bequem aber in Gelassenheit des Geistes sitzen kann. Man sollte die aufgewandte Zeit allmählich vergrößern und nicht den Körper zu etwas zu zwingen, wozu er nicht im Stande ist. Das Ergebnis solchen Zwanges ist immer wieder das Gleiche: der Übende wird, aus Angst vor dem Schmerz, wahrscheinlich das Interesse an der Praxis des Zazen verlieren. >> Teil 4 >>

by Jiyu Kennett, in: Selling Water by the River, Kapitel 4, Ausgabe 1972

Übersetzung: Kyo-San